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1.Shifu
Robert Hanceroglu über Jörg Götzinger
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2.Yin
und Yang und
die Verbindung
zum Jing
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3.
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4.Wirklich
Kämpfen-
von Wong Shun
Leung
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5
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6.
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7.
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Wirkliches Kämpfen
Die Art zu kämpfen, über die ich hier sprechen will,
ist nicht jene, die man im Boxring beobachten kann. Diese Art Kampf ist durch
eine Vielzahl von Regeln eingeschränkt und wandelt sich schrittweise zu einer
Form von Sport, die keine wirkliche Ähnlichkeit mit realistischem Kampf mehr
hat.
Worüber ich hier sprechen will, ist der "wirkliche Kampf', die Art von Kampf,
die vollkommen uneingeschränkt und unbegrenzt ist, sei es durch Konflikt oder
beiderseitige Übereinkunft. Diese Art Kampf ist von besonderer Art. Alles steht
auf dem Spiel. Man kann keinen konstanten Faktor voraussetzen; deshalb
beeinflussen die körperlichen Voraussetzungen beider Gegner direkt den Ausgang
des Kampfes. Die alte chinesische Schrift "Strategien" drückt es gut aus:
"Beurteile zuerst und kämpfe dann" oder "Kämpfe erst und beurteile später." Das
eine oder das andere kann seinen Gegenpart im Sinne von Ursache und Wirkung
beeinflussen. In der Tat muß vieles diskutiert und gezeigt werden, wenn wenn man
über das Kämpfen spricht. Ein weiteres Buch dieses Umfangs bietet kaum genug
Raum, alles wichtige zu behandeln. Nun möchte ich die häufigsten Fehler
aufzeigen, die Ving Tsun-Betreibenden unterlaufen, so daß wir alle daraus lernen
können und sie vermeiden.

Wong Shun Leung beim
Chi Sao
Chi Sau-Training
Dies ist die Übung der Kampfreflexe, die immer wieder trainiert werden muß,
um die essentiellen Anforderungen des Ving Tsun- Systems zu erfüllen, d.h.
Schnelligkeit, Geschmeidigkeit und Reaktionsfähigkeit. "Bleibe an dem, was zu
dir kommt, folge dem, was sich entfernt; wenn der Kontakt abreißt, stoße gerade
vor." Dies ist das anfängliche doch wichtige Training, das den Ving
Tsun-Betreibenden mental und physisch auf eine echte Kampfsituation vorbereitet.
Wenn Anfängern keine exakten Erklärungen gegeben werden, neigen diese dazu, ihre
eigenen "Stilarten" des Chi Sau zu entwickeln und werden zu selbstsicher. Dies
ist ein sicherer Weg, durch solche selbst geschaffenen llusionen vom Weg
abgebracht zu werden. Zu viel über "klebende Hände" nachzudenken bringt Leute
zum Beispiel dazu, sich die schlechte Angewohnheit zuzulegen, den Händen des
Gegners "nachzujagen". Dies ist nach den Kampfprinzipien des Ving Tsun ein
schwerer Fehler. Sich dem Gegner vollständig zuzuwenden, wie von der Siu Lim Tau
vorgegeben, fördert ein vorteilhaftes Positionieren schon vor Beginn des
Kampfes, was zu besseren Möglichkeiten führt, gerade, kraftvolle Schläge entlang
der Zentrallinie auszuführen. Dies erfüllt das Ziel, den Gegner über
die kürzestmögliche Distanz direkt und erfolgreich
anzugreifen. Die Siu Lim Tau erfordert es aber nicht, an den Händen des Gegners
zu kleben, dies hat eine sehr einfachen Grund. Da die Bewegungsmöglichkeiten
der gegnerischen Hände so groß sind, ist es kindisch, ihnen überallhin folgen zu
wollen und dabei die Wichtigkeit eigener Angriffe aus den Augen verliert. Beim
Verfolgen der gegnerischen Hände ist man in einer passiven Rolle. Der Gegner
übemimmt die Initiative, indem er seine Hände bewegt und uns verwirrt. Deshalb
ist derjenige, der Hände jagt, seinem Gegner ausgeliefert. Wer in einem Kampf
nur Hände jagt, spannt den Wagen vor das Pferd und hat das eigentliche Ziel
nicht vor Augen. Deshalb sollten wir darauf achten, daß wir im Kampf den Gegner
im Auge behalten müssen und daß unser Gegner unser Ziel ist, das es mit
Möglichst einfachen und direkten Attacken zu treffen gilt. Nur wenn unser
Angriff abgewehrt worden ist, wird unser berühmtes Chi Sau benutzt - als Mittel
zum Zweck. Der Zweck, das darf man nicht vergessen, ist das Gewinnen des
Kampfes.

"Die Katze aus dem Sack lassen"
Ob man die Aktionen des Gegners vorhersehen kann, spielt eine sehr wichtige
Rolle dabei, wer einen Kampf gewinnt. Die alte chinesische Schrift" Die
Kunst des Krieges"sagt:Wenn eine eindringende Truppe bei ihrem Vorstoß einen Fluss überqueren muss, ist
es ge- schickt, zu warten bis die halbe Armee den Fluss passiert hat und dann den
Angriff zu starten. "Schlage zu, wenn der Gegner auf halbem Wege ist." Jeder Angriff, der mit
einem solch vorteilhaften strategischen Timing ausgeführt wird, erbringt die
doppelte Ernte, da die Absichten, Pläne und Bewegungen des Gegners unter
strenger Beobachtung stehen. Außerdem wird es einem Gegner, der auf halbem Wege
seiner eigenen Aktion mit entsprechenden Gegenangriffen empfangen wird,
schwerfallen, seine Bewegungen weiter zu koordinieren. Dadurch verliert er die
Kontrolle und unausweichlich auch den Kampf. Allerdings begehen manche
unerfahrene und schlechte Ving Tsun- Praktizierende Fehler dieser Art immer
wieder. Sie beginnen ihre Attacken lange bevor sie die entsprechende Distanz
hergestellt haben und lassen einen großen Abstand zwischen sich und dem Gegner.
Dieses Vorgehen ist höchst unklug und schädlich, denn es "läßt die Katze aus dem
Sack". Sie verraten dem Gegner unsere Geheimnisse. Sei also im Kampf niemals
ungeduldig. Warte, bis der Gegner nur noch einen Schritt entfernt ist, bevor du
plötzlich deine Angriffe beginnst. Dies nimmt dem Gegner jede Möglichkeit,
selbst zu agieren.
Aufgrund des plötzlichen Angriffs aus kurzer Distanz kann der Gegner nicht
rechtzeitig reagieren; deshalb wird er wahrscheinlich einen halben Schritt nach
hinten oder zur Seite weichen. Dies macht es nur noch leichter für einen selbst,
die Kontrolle über die Situation zu erlangen, da das Gleichgewicht des Gegners
gestört ist. Versuche deshalb immer, den Gegner über deine Strategie im unklaren
zu lassen. Mache Dir keine Illusionen zu viele Illusionen oder zu hohe
Erwartungen machen dich aufgeregt. Nach den Prinzipien des Ving Tsun sind wir zu 100% perfekt, wenn wir
bestimmte oder alle Bewegungen korrekt ausführen können. Diese Situation
existiert aber nur in der Theorie. Menschliche Wesen machen Fehler, niemand ist
perfekt. In einer normalen Kampfsituation sind die Gegebenheiten auf beiden
Seiten mehr oder weniger vergleichbar: Körpergewicht, Arme und Beine, Stärken
und Schwächen und so weiter. Sie sind mehr oder minder ausgeglichen und deshalb
vergleichbar. Der entscheidendste Faktor ist das Können, das beide Seiten
jeweils besitzen. Nehmen wir einmal an, daß eine Chance von 70% besteht, einen
Kampf zu gewinnen, so bleibt immer noch eine30%
Wahrscheinlichkeit, einem Angriff ausgesetzt zu sein. Bei einer
Boxweltmeisterschaft wird auch der Sieger eine Menge Treffer eingesteckt haben.
Heutzutage kommen viele Ving Tsun- Lehrer mit einer Menge Hokuspokus daher. Sie
erfinden viele nette Geschichten und Hirngespinste, um ihre Schüler
irrezuführen. Sie narren sich selbst und andere. Es ist eine Schande. Wenn man
aber das richtige physische und mentale Training hat und sich darüber im klaren
ist, daß es normal ist, daß während eines Kampfes Schläge den eigenen Körper
treffen, wird alles, was in einem Kampf passiert, nicht so verwirrend sein, daß
es zur Niederlage führt. Ein Sieg wird wahrscheinlicher.
Zögere nicht
Um anzugreifen, müssen beide Seiten sich innerhalb der Kampfzone bzw.
-reichweite befinden. Beide haben die gleichen Chancen, Angriffe zu starten.
Während des Schlagabtausches hat man wenig Zeit, nachzudenken und abzuwägen.
Durch routinemäßiges Training erworbenes Gefühl und Erfahrung kommen voll zur
Anwendung. Sieg oder Niederlage werden davon bestimmt, was in einem steckt. Was
aber auch immer passiert - zögere nicht. Zögern bringt einem eine Menge unnötige
Schwierigkeiten ein. Die mehrfach hintereinander ausgeführten hohen Tritte, die
wir in Filmen sehen, sind Produkte der Fantasie. In einer tatsächlichen
Kampfsituation wird es der erste erfolgreich ausgeführte Tritt schwer oder
unmöglich machen, den zweiten auszuführen. Gleich ob der Gegner fällt oder
nicht, es wird kein Platz mehr da sein. Solange der Gegner nicht nach einem
Treffer durch einen Rundkick nach hinten geht, sind die Chancen für
anschließende Tritte nicht sehr hoch. Die Gesetze der Physik widersprechen
solchen Möglichkeiten. Wenn der Gegner große Angst davor hat, getroffen zu
werden und plötzlich nach hinten ausweicht, wird ein erfolgloser Tritt nur von
einem ebenfalls erfolglosen Tritt gefolgt werden. Das Timing stimmt nicht. Dies
ist wie beim Tanzen. Deshalb wird nur der angegriffen werden, der zögert. Vor-
oder Zurückgehen, wenn es prompt ausgeführt wird, hilft dabei, Gelegenheiten zu
ergreifen. All die oben aufgeführten Punkte sind nicht dazu gedacht, aus
jemandem einen Sieger zu machen. Sie sollen helfen, Fehler zu vermeiden. Die
wichtigsten Faktoren, die einen Kampf gewinnen helfen sind Beharrlichkeit im
Training, Kampfgeist, Durchhaltevermögen, physische Stärke, Selbstvertrauen und
so weiter. All diese Qualitäten machen den höchsten Grad an Harmonie und Frieden
möglich.
Wong Shun Leung
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